Artenkenntnis to go: Die Stechpalme

Weibliche Blüte der Europäischen Stechpalme. Sie hat vier Kronblätter, einen auffälligen grünen Fruchtknoten und bis zu vier sterile Staubblätter. Rechts am Rand erkennt man Fraßspuren der Ilex-Minierfliege (Phytomyza ilicis).

Heute geht es mal um den aktuellen „Baum des Jahres“: Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium), gerne auch als „Ilex“ bezeichnet. Sie ist ein - tätä - heimischer Strauch bzw. kleiner Baum und kein exotisches Ziergehölz, wie man annehmen könnte. Natürlich gibt es mittlerweile auch Zuchtformen ohne Stacheln, dafür aber bunt gemasert, etc. Trotzdem ist die Wildform „eine von hier“. Sie kommt zerstreut in Laub-Mischwäldern mit eher saurem Boden vor.

Die Stechpalme gehört zu den Stechpalmengewächsen (Aquifoliaceae) und ist deren einziger heimischer Vertreter in Mitteleuropa. Sie ist nach der Bundesartenverordnung besonders geschützt und darf daher nicht gesammelt oder ausgebuddelt werden. Größere Stechpalmenvorkommen sind oft als Naturschutzgebiete ausgewiesen, zum Beispiel das NSG "Hülsenhaine" in Essen.

 

Ihr herausragendes Kennzeichen sind natürlich die immergrünen Blätter mit den fies piekenden Stacheln. Spannenderweise nehmen die stacheligen Blätter von unten nach oben ab. Weiter oben haben sie oft glatte Ränder (da, wo das Wild nicht mehr dran kommt, vermutet man). Die Stechpalme blüht von Mai bis Juni. Sie ist - noch eine Besonderheit - zweihäusig (diözisch). Das bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen wachsen, wie zum Beispiel bei der Brennnessel oder beim Sanddorn. Die kleinen, weißen Blüten duften schwach und werden gut von Insekten besucht. Wer leise ist und lauscht, kann hören, dass an warmen Tagen der ganze Busch summt. Ab Oktober erscheinen (nur an den weiblichen Pflanzen logischerweise) die roten Früchte. Sie sind keine Beeren, sondern Steinfrüchte mit vier Kernen. Die Stechpalme gilt als giftig, wobei sie heute als eher gering giftig eingestuft wird (im Gegensatz zu früher). Trotzdem sollte man ihre Früchte (und auch sonstige Teile von ihr) nicht essen! Ein bekannter, "essbarer" Verwandter der Stechpalme ist hingegen der Mate-Strauch (Ilex paraguariensis).


Die Stechpalme wird in Deutschland auch oft als "Hülse" bezeichnet. Der Begriff "Hülse" kommt unter anderem in verschiedenen Orts- und Nachnamen vor (berühmtestes Beispiel: Annette von Droste-Hülshoff). Auch der Name "Hulst" kommt vor. Wer dabei an die Hulstbäume in Hulsten oder Eregion in Mittelerde denkt, liegt nicht falsch: Im Englischen heißt das Land "Hollin" von "holly" = Stechpalme. Auch der Ortsname "Hollywood" (ein unbedeutender Stadtteil von Los Angeles, USA ;-) leitet sich von "holly" ab.

Die Stechpalme war früher als Heilpflanze in Gebrauch (unter anderem gegen Rheuma und Gelenkprobleme, Verdauungsbeschwerden und Erkältungen sowie als Fiebermittel), wird aber heute wegen ihrer Giftigkeit nicht mehr verwendet. Die Römer, die Kelten und die Germanen verehrten sie als heiligen Baum. Die Tatsache, dass sie immergrün ist und mitten im Winter auch noch knallrote Früchte trägt, machte sie in unseren Breiten zu etwas Besonderem, nämlich zu einem Zeichen der Hoffnung (auf den Sommer) und auch der Fruchtbarkeit. Daher wurde sie um die Zeit der Wintersonnenwende ins Haus geholt. Jeder kennt vermutlich die Weihnachtsdekoration aus Stechpalme, die vor allem in Großbritannien sehr beliebt ist. 

 

Aufgrund ihrer „wehrhaften“ Blätter und der roten Früchte gehört die Stechpalme zu den Pflanzen mit einer Mars-Signatur. Dazu passt auch ihre Giftigkeit. Ihre Blätter bilden zudem ein undurchdringliches Gestrüpp (wer da einmal drin hing, weiß das zu bestätigen), daher wurde sie früher neben der Hoffnungs-Symbolik vor allem als Schutzpflanze betrachtet, die man in den Rauhnächten über die Tür nagelte. In diesem Zusammenhang passt auch Harry Potters Zauberstab aus Stechpalme: Hoffnung (Harry als der "Auserwählte") und Schutz (vor fiesen Finsterlingen).

Im Garten ist die Stechpalme ein wertvoller Strauch. Sie bietet im Frühjahr den Insekten Nahrung, im Herbst und Winter als sogenannter „Wintersteher“ (eine Pflanze, die im Winter noch Früchte trägt) den Vögeln Futter und ist dazu ein gutes Versteck bzw. Nistgehölz für Vögel und Kleinsäuger. Sie ist blickdicht und eignet sich daher gut als Einfassung von Gärten. Als Standort mag sie einen mäßig nährstoffreichen, frischen, nicht zu basenreichen Boden. Sie ist ein immergrüner Strauch "mit Tradition", den man ohne schlechtes Gewissen in den Garten setzen kann und auch im Winter gerne anschaut.

Eine blühende Stechpalme mit jungen Trieben. Rechts unten mogelt sich der Beinwell ins Bild.

Wichtig! Bitte beachten!

 

Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin noch Apothekerin. Die bei einigen Artikeln beschriebenen Wirkungen von Pflanzen haben lediglich informativen Charakter und beruhen auf dem Wissen aus meiner akademischen Ausbildung als Botanikerin sowie auf eigenen Erfahrungen. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Es wird ebenso keine Haftung für eventuelle Schäden durch die unsachgemäße Verwendung von Pflanzen und deren Zubereitungen übernommen.