Gartenwissen: Die Bodenprobe

Für erfolgreiches Gärtnern musst du wissen, was für einen Boden du hast. Das ist wichtig, weil die Beschaffenheit des Bodens mit bestimmt, welche Pflanzen bei dir gut wachsen werden, wie gut Nährstoffe verfügbar sind und ob der Boden vielleicht sogar verbessert werden muss.

 

Hinweis: Du kannst die Erklärungen zu den einzelnen Bodenarten auch später lesen und dich erst mit den eigentlichen Tests befassen.

 

 

Die Bodenarten

 

Die drei Bodenarten Sand, Schluff und Ton werden durch ihre Korngröße unterschieden. Sandkörner sind größer als Schluff und Schluff ist größer als Ton. 

 

Sand macht einen Boden „leicht“, das bedeutet, er sorgt für eine gute Durchlüftung, erwärmt sich schnell, lässt sich gut durchwurzeln und verhindert Staunässe. Sandige Böden lassen sich leicht bearbeiten, trocknen allerdings auch schnell aus. Ein weiterer Nachteil ist die nur gering ausgeprägte Fähigkeit, Nährstoffe zu halten. Typische Sandböden sind zum Beispiel sogenannte Bleicherden (Podsole), wie man sie in der Lüneburger Heide findet. Viele Böden mit sehr hohem Sandanteil sind durch die Verwitterung von Gestein und ihre Verteilung durch die Gletscher während der Eiszeiten entstanden.

 

Schluff ist die nächstfeinere Fraktion. Typische Böden mit sehr hohem Schluffanteil (Lössböden) findet man in sogenannten Börden (zum Beispiel der Magdeburger Börde oder der Soester Börde am Haarstrang). Sie sind durch die feineren Korngrößen des Schluffes gut durchlüftet und können gleichzeitig gut Wasser und Nährstoffe halten. Lössböden gelten als sehr günstig für den Acker- und Gartenbau, allerdings sind sie nicht sehr trittfest. Am Hang einer Weide mit Lössboden sieht man daher häufig terrassenartig eingetretene Pfade des Viehs. Auch Hohlwege sind typisch für Lösslandschaften. Lössböden entstanden während der Eiszeiten, als in den vegetationsfreien Gegenden die feineren Bodenanteile verweht wurden und sich zum Beispiel an Berghängen wieder ablagerten.

 

Ton ist die feinste Fraktion der Bodenarten. Reine Tonböden können gut Nährstoffe halten und sehr viel Wasser aufnehmen („quellen“), das für die Pflanzen aber kaum verfügbar ist. Sie neigen zu Staunässe. Zudem erwärmen sie sich nur langsam. Durch die feinen Korngrößen ist die Durchlüftung des Bodens schlecht, ebenso ist es für die Pflanzen schwer, den Boden zu durchwurzeln. Trockene Tonböden werden durch Schrumpfung rissig und können dann kaum noch bearbeitet werden. Sie werden daher als „schwere Böden“ bezeichnet. Ton entsteht durch die Verwitterung von Bodenmineralen. Reine Tonböden (Pelosole) findet man typischerweise über Tonstein, beispielsweise in Ostwestfalen oder im Bergischen Land. Sie werden oft als Grünland genutzt.

 

Die meisten Böden haben einen gewissen Anteil aller drei Bodenarten. Überwiegen die feineren Anteile (Schluff und Ton), werden sie als Lehmböden bezeichnet. Lehmböden gelten als gute Gartenböden, da sie Eigenschaften von allen drei Bodenarten besitzen. Um Abstufungen zwischen den einzelnen Mengenanteilen deutlich zu machen, gibt es Begriffe wie sandiger Lehm oder lehmiger Sand.

Der Mergel ist eine Mischung hauptsächlich toniger und schluffiger Bestandteile, aber auch von Sanden, plus Kalk. Im Norden kommt der Geschiebemergel (hier auch mit Kiesen und Geröllen in meist kleineren Anteilen) häufig im Bereich einzeitlicher Moränen vor. 

 

 

So testest du deinen Boden

Ausrüstung

 

Um deinen Boden zu bestimmen, brauchst du folgende Utensilien: Ein verschließbares, hohes und schmales Gefäß (zum Beispiel ein Schraubglas), eine kleine Gießkanne mit Wasser, eine Blumenschaufel und einen Eimer. 

 

Um geeignete Erde aus deinem Garten zu bekommen, gräbst du ein etwa 20 cm tiefes Loch und nimmst aus dieser Tiefe eine Schaufel voll Erde. Alternativ kannst du auch etwas Erde von einem frischen Maulwurfhaufen nehmen. Die Erde sollte noch bodenfeucht sein.

 

 

Test 1

Du nimmst etwas Erde zwischen die Finger und zerreibst sie. Achte auf dein Gefühl:

 

Spürst du Sandkörner? Wenn ja, eher viel oder wenig? → Sandanteil. 

 

Oder fühlt sich die Erde mehlig an und sitzt in den Fingerrillen? → Schluffanteil

 

Oder klebt es an den Fingern? → Tonanteil.

 

Damit hast du schon einen ersten Eindruck.

 

Mein Eindruck der drei Proben war folgender: Bei Probe 1 spürt man deutlich den Sand. Probe 2 ist auch etwas sandig, fühlt sich aber "weicher" an. Probe 3 ist eine einzige Kleberei :-)

 

 

Test 2

Du nimmt eine halbe Handvoll Erde und versuchst, eine Rolle zu formen und diese anschließend zu biegen.

 

→ das klappt überhaupt nicht, alles zerbröselt → hoher Sandanteil

 

→ es klappt mäßig, die Rolle hat aber Risse und lässt sich nicht biegen ohne zu zerbrechen → höherer Anteil feiner Korngrößen (Schluff und Ton), vermutlich mehr Schluff als Ton

 

→ eine Rolle zu formen und sie zu biegen geht problemlos → hoher Tonanteil

 

Der linke Haufen (Probe 1) ließ sich nicht zu einer Rolle formen. Beim rechten (Probe 2) klappte es besser, aber beim Biegen zerbröselte es dann doch.

Bei Probe 3 sieht man schon die hellen (mergeligen) Bestandteile, die für eine gewisse Klebrigkeit sorgen, aber auch etwas Sand ist zu erkennen. Man kann auch so sehen, dass sie sich gut formen und biegen lässt.

Test 3

Du füllst etwas Erde in das Schraubglas und füllst anschließend mit Wasser auf. Dann wird das Glas gut (!) verschlossen und kräftig geschüttelt, so dass wirklich alles an Erde vom Boden des Glases gelöst ist. Notfalls kannst du mit einem Stab nachhelfen. Anschließend stellst du das Glas für 24 Stunden in eine ruhige Ecke und wird nicht mehr bewegt! 

 

Der Sinn der Übung ist folgender: Die aufgewirbelten Bodenpartikel werden sich nach und nach wieder setzen. Dabei sind es logischerweise die größeren Sandkörner, die sich als erstes und schon nach kurzer Zeit absetzen. Dann folgen nach und nach die kleineren Sandkörner, der Schluff und am Ende der Ton. Bei den Tonpartikeln kann es sehr lange dauern, bis sich alles abgesetzt hat und die Flüssigkeit wieder halbwegs klar ist. 

 

Probe 1 (links, sandig) zeigt nach einer Stunde deutlich weniger „Klarheit“ als erwartet. Dazu hat das Wasser eine Braunfärbung, die auf einen höheren Anteil an Huminsäuren hinweist.

 

Probe 2 (Mitte) verhält sich ähnlich wie Probe 1, die Farbe des Wassers ist aber grauer (weniger Huminsäuren).

 

Probe 3 (rechts) ergibt erst nach energischem Quirlen mit einem Stab eine Suspension. Die Farbe ist milchig-hell (Mergelanteil). Hier tut sich nach einer Stunde noch gar nichts.

Nach einem Tag sind Probe 1 und 2 halbwegs klar, Probe drei ist immer noch milchig. Das deutet auf einen hohen Anteil an feinkörnigen Teilchen hin. Durch die kalkigen Bestandteile ergibt sich die helle Farbe.

Ein genauerer Blick auf die Ablagerungen am Boden zeigt die Mengenverteilung der drei Bodenarten. Hier Probe 1 - Lehmiger Sand.

Hier Probe zwei, sandiger Lehm. Man sieht weniger Sand und mehr feine Bestandteile. als bei Probe 1.

Probe 3, mergeliger Lehm, zeigt nach einer Woche (!) unten feinen Sand und darüber eine dickere Schicht sehr feiner, heller Bestandteile. Zudem ist sie immer noch nicht klar.

Und so sehen die Glorreichen Drei nach einer Woche aus. Probe 1 und 2 sind klar. Bei Probe drei setzt im oberen Bereich eine Klärung ein. Bis diese Probe klar sein wird, werden noch ein paar Wochen vergehen.

Fazit

Alle drei Böden haben alle drei Bodenarten in unterschiedlichen Anteilen. Probe 1 (lehmiger Sand) und 2 (sandiger Lehm) haben Sand in unterschiedlichen Anteilen, Probe 1 mehr und Probe 2 weniger. Dazu haben beide Ton bzw. Schluff, wobei Probe 2 bindiger ist, also mehr Ton und weniger Schluff besitzen dürfte als Probe 1. Probe 3 (mergerliger Lehm) besitzt zwar auch etwas Sand, aber einen hohen Anteil feinkörniger und kalkiger Bodenanteile und ist damit am bindigsten.

 

Probe 1 und 2 sind gute Gartenböden. Auch Probe 3 ist für den Garten geeignet, durch den hohen Anteil an bindigem Material  würde hier vermutlich das Einarbeiten von Kompost oder Sand die Bodenqualität noch verbessern.