Gartenrundgang im Mai

Im Mai sieht der Garten schon wieder nach Garten aus. Der kahle Eindruck vom Winter ist weg. Seit es endlich geregnet hat, kommen die Pflanzen mehr und mehr in die Gänge. Vor allem die Blattentwicklung hat in den letzten Tagen einen kräftigen Schub gemacht. Pflanzen, die jedes Jahr neu austreiben, wie Eisenhut, Erzengelwurz und Beinwell, überbieten sich im Moment ebenfalls mit Wachsen.

 

Das ominöse bogenförmige Gewucher über dem Gartenweg soll übrigens mal ein Wildrosenbogen werden. Allerdings sind die Ranken noch zu kurz und das Gestell hat auch noch Verbesserungsbedarf. Ein paar ihrer Ranken muss die Rose sowieso opfern, denn daraus entstehen Stecklinge für eine Rosenhecke :-)

Die ganz frühen Frühblüher wie Winterlinge, Krokusse und Schneeglöckchen sind schon lange mit Blühen durch, dafür sind jetzt die "späteren Frühen" dran, hier die Schlüsselblume (Primula elatior, Primelgewächse/Primulaceae), eine gut besuchte Insektenpflanze. Im Hintergrund blüht das ebenfalls stark frequentiere Lungenkraut (Pulmonaria officinalis, Lippenblütler/Lamiaceae).

Mister Beinwell (Symphytum officinale, Raublattgewächse/Boraginaceae) blüht ebenfalls. Endlich. Er hatte Ende März Besuch von einer besonders hungrigen Schnecke, die in einer Nacht einen Großteil seiner jungen Triebe vernichtet hat. Das und der wenige Regen haben dafür gesorgt, dass er immer noch so klein ist und bisher auch nur wenig Blüten hat. Dabei werden sie dringend gebraucht, die Hummeln sind hungrig :-)

Als Gegenmaßnahme für eventuelle "Blühlöcher" habe ich vor einiger Zeit den beim geflügelten Volk sehr beliebten Gundermann (Glechoma hereracea, Lippenblütler/Lamiaceae) in einen Topf gepflanzt. Falls ihr euch wundert: Der Gundermann ist bei mir generell im "Topfknast". Einmal im Garten freigelassen, kann er echt lästig werden. Außerdem habe ich so immer frische Blätter für den Salat, die nicht von Hunden vollgepinkelt oder von Abgasen belastet sind. Und das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis, Kreuzblütler/Brassicaceae) hat sich praktischerweise freiwillig dazu gesellt.

Aus diesem grünen Büschel wird in etwa zwei Monaten eine meiner Lieblingspflanzen im Garten, die Wegwarte (Cichorium intybus), ein Mitglied der Korbblütler (Asteraceae). Kaum zu glauben, dass sie dann etwa 1,80 Meter groß sein wird. Die hellblaue Blütenpracht werde ich euch natürlich nicht vorenthalten, wenn es soweit ist.

Dieses grüne Gewusel wird mal eine Tollkirsche (Atropa belladonna, Nachtschattengewächsen/Solanaceae) (was heißt eine, es war mal eine, jetzt sind es sehr viele). Auch die Tollkirsche wird noch einen flotten Zuwachs an Größe und Breite hinlegen. Ein Bereich von etwa zwei mal einem Meter ist dann ihr Revier. Dagegen kann auch die Brennnessel (Urtica dioica, Brennnesselgewächse/Urticaeae) wenig ausrichten. Die Tollkirsche ist zwar stark giftig, aber eine prima Insektenpflanze. Solange man keine kleinen Kinder oder verfressene Haustiere hat, kann sie den Garten sehr bereichern.

Die Brennnesseln haben ihre Daseinsberechtigung als Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen. Allerdings muss ich da gelegentlich ordnend eingreifen, sonst erobern sie doch noch den ganzen Garten.

Eine heimische Wildpflanze, die man auch nicht alle Tage sieht, ist die Haselwurz (Asarum europaeum). Der Frühblüher bekommt wie die Tollkirsche große braune Blüten und wird gerne von Hummeln besucht. Außerdem ist sie ein prima Bodendecker im Schatten. Allerdings ist die ganze Pflanze stark giftig. Die Haselwurz gehört zu den Osterluzeigewächsen (Aristolochiaceae).

Diese "Spargeltarzane" sind junge Salomonssiegel (Polygonatum odoratum). Sie gehören zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Auch beim Salomonssiegel gilt: Aus einem mach viele, so über die Jahre :-)

Auch wenn sie am Anfang noch etwas eingewickelt wirken, entfalten sie nach und nach ihre Blätter und bekommen ihren unverkennbaren Habitus. Der Salomonssiegel ist stak giftig und wird im Gegensatz zu seiner engen Verwandten, der Vielblütigen Weißwurz (Polygonatum multiflorum), nicht als Heilpflanze genutzt. 

Auch bei der tierischen "Garten-Gäng" herrscht emsige Geschäftigkeit. Diese Wespe knabbert sich an meinen Eichenfass, das ich als Regentonne nutze, entlang. Die abgeschabten Schichten werden durchgekaut und zum Nestbau verwendet. Wie man unschwer an den vielen Fraßspuren erkennen kann, hatten diverse Generationen von Wespen vor ihr dieselbe Idee.

Der Zaunkönig hat wie jedes Jahr das Schmetterlingsversteck im Insektenhotel genutzt, um eines seiner "Show-Nester" zu bauen, gut erkennbar am Moos im Innern. Das Nest wird von ihm zur Brautwerbung genutzt, d. h. er zeigt es seiner Angebeteten. Anscheinend hat er damit viel Erfolg, denn der Schmetterlingsraum ist jedes Jahr wieder im Gebrauch. Netterweise räumt der Zaunkönig im Herbst das ganze Moos auch wieder raus. Das fliegt dann auf der Terrasse herum.

 

Auch sonst ist das Insektenhotel gut besucht, wie man an den vielen zugestopften Löchern oberhalb der "Zaunkönigburg" sehen kann. Meist sind es Larven von Solitärwespen (sofern ich das richtig bestimmt habe), die hier auf den Zeitpunkt zum Schlüpfen warten.

 

Ich finde, es ist immer spannend zu beobachten, wie sich ein Garten im Lauf des Jahres wandelt. Und der Mai ist erst der Anfang :-)