Großer Heiler im Garten: Der Beinwell

Noch einer meiner Lieblinge unter den Frühjahrsblühern: Der Beinwell (Symphytum officinale). Viele von euch werden ihn schon mal gesehen haben, entweder im Garten oder in der Natur. Seine violetten, glockenförmig nach unten hängenden Blüten fallen bei der großen Pflanze sofort ins Auge. Die kräftigen Blätter sind ganzrandig und borstig behaart. Daher gehört der Beinwell auch zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae). Er ist mehrjährig und wächst gerne an sonnigen bis halbschattigen Plätzen mit nährstoffreichem, leicht feuchtem Boden, oft sogar an Bachufern oder Gräben oder im Wald, und blüht von Mai bis Juni.

 

Der Beinwell ist ein mächtiger Heiler. Die traditionellen Kräuterkundigen sehen in ihm die Signatur des Saturn, erkennbar an der Farbe der Blüten und an den graugrünen, rauen Blättern und Stängeln. Und sie haben recht: Er heilt Knochen, worauf der Name "Beinwell" hinweist (Bein ist ein altes Wort für Knochen), die ebenfalls von Saturn regiert werden. Auch der alte lateinische Gattungsname "Consolida" bedeutet zusammen fügen. Einer der Hauptwirkstoffe ist das Allantoin, das die Zellerneuerung fördert und die Wundheilung beschleunigt. Dazu kommen noch entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Beinwell findet sich häufiger in Salben, die bei Prellungen, Verstauchungen und Sehnenproblemen eingesetzt werden. Verwendet wird die Wurzel, aber auch die Blätter bieten schnelle Hilfe bei Verstauchungen und ähnlichem. Ein Brei der Wurzel oder auch die pulverisierte Wurzel zu einer Paste angerührt, kann man auf die betroffenen Stellen auftragen. Allerdings klebt die Pampe auch sehr effektiv, vor allem im Fell meiner Ponies :-)

 

Allerdings hat auch der Beinwell einen Nachteil: Die viel gefürchteten Pyrrolizidinalkaloide, die wie ein Schatten über der Familie der Raublattgewächse hängen, tauchen auch beim Beinwell auf. Bei äußerlicher Anwendung über wenige Wochen im Jahr besteht keine Gefahr, da sie über die Haut kaum aufgenommen werden. Auch ist nicht jeder Beinwell gleich bis unter die Blattspitzen voll mit Pyrrolizidinalkaloiden. Trotzdem: Von einer inneren Anwendung wird dringend abgeraten, zumindest vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und der Kommission E, die die Wirksamkeit von Heilpflanzen bewertet. Wer sich jetzt Sorgen über seine Creme macht, in der Beinwell enthalten ist: Für diese Cremes werden speziell gezüchtete Hybriden verwendet, die keine Alkaloide enthalten. 

 

Trotz allem ist der Beinwell eine prima Pflanze für den Garten. Hummeln und Anverwandte lieben ihn. Sobald er blüht, kann man ihn schon am permanenten Summgeräusch orten. Schnecken lieben ihn leider auch, von daher solltet ihr ihn regelmäßig auf die kleinen Vielfraße kontrollieren. 

Wichtig! Bitte beachten!

 

Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin noch Apothekerin. Die bei einigen Artikeln beschriebenen Wirkungen von Pflanzen haben lediglich informativen Charakter und beruhen auf dem Wissen aus meiner akademischen Ausbildung als Botanikerin sowie auf eigenen Erfahrungen. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Es wird ebenso keine Haftung für eventuelle Schäden durch die unsachgemäße Verwendung von Pflanzen und deren Zubereitungen übernommen.