Und hier ein kleiner Tausendsassa: Das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea).
Manchmal entdeckt man es im Gras, manchmal übersieht man es trotz seiner knallig pinken Blüten. Sie haben fünf Kronblätter,
die gelben Staubbeutel und griffel sorgen noch zusätzlich für Kontrast. Die Kronblätter sind im unteren Teil zu einer Kronröhre verwachsen, die gut zur Hälfte von den schmalen, spitz zulaufenden
Kelchblättern umgeben ist. Der Blütenstand besteht aus mehreren Teilblütenständen und wird als eine sogenannte Trugdolde bezeichnet. Hierbei trägt der Stängel (die Hauptachse) eine einzelne
Blüte. Direkt unter ihr entspringen zwei Teilblütenstände (Nebenachsen), die die Blüte am Ende der Hauptachse deutlich überragen. So entsteht ein schirmartiger Eindruck des Gesamtblütenstandes,
ähnlich dem einer Dolde. Die Blätter sind elliptisch, an ihrem Ende spitzlich, mit einem glatten Rand, aber gut erkennbaren Blattnerven. Sie sind jeweils zu zweit um 90 Grad versetzt am Stängel
angeordnet ("kreuzgegenständig"). Der Stängel selbst in viereckig. Die grundständigen Blätter sind vorne abgerundet.
Das Tausendgüldenkraut ist eine kurzlebige Pflanze: Es keimt, bildet die grundständigen Blätter, mit denen es überwintert,
blüht im darauf folgenden Jahr und bildet Samen, aus denen die nächste Generation keimt. Diese Vorgehensweise wird als winterannuell oder zweijährig
bezeichnet. Es wird in der Regel nicht höher als 30 cm und wächst auf Brachen und Wiesen, die etwas trockener,
basenreich und sonnig und warm sein sollten. Ich habe es neulich an einer Autobahnbrücke entdeckt (und bin dabei fast vom Rad gefallen, weil ich doch etwas überrascht war).
Das kleine Pflänzchen gehört zu den Enziangewächsen (Gentianaceae). Das wird spätestens klar, wenn man den Tee probiert hat. Er schmeckt ehrlich gesagt
fürchterlich, weil sehr bitter. Das ist aber auch der Grund, warum das Tausendgüldenkraut früher mal einen nahezu legendären Ruf als Heilpflanze genoß. Es enthält viele Bitterstoffe, die die
Verdauung ankurbeln, entzündungshemmend , wundheilend und allgemein stoffwechselanregend wirken, kurz: den Organismus auf Trab bringen. Es wird
hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung, volksheilkundlich auch bei Leberproblemen, Ekzemen oder gegen Schlangen- und Hundebisse eingesetzt. Aufgrund der Bitterstoffe, die ein
Erhitzen nicht so gut vertragen, wird das Tausendgüldenkraut kalt angesetzt und ein paar Stunden stehen gelassen, bevor man es erwärmt. Bei Magen- und Darmgeschwüren sowie in der Schwangerschaft
sollte das Kraut nicht verwendet werden.
Sein Name Centaurium bezieht sich auf den Zentauren Chiron, der heilkundig war und mit dem Kraut eine vergiftete Wunde geheilt haben soll (zur Erinnerung:
Zentauren sind bei Harry Potter die astrologiebegabten Vierbeiner mit Menschenoberkörper, die gelegentlich etwas jähzornig und stur daher kommen). Aus diesem lateinischen Ehrennamen hat sich
angeblich die Übersetzung "centum" (lat. hundert) und "aurum" (lat. Gold) ergeben, zusammen Hundert-Gülden-Kraut (so hieß es wohl früher). Aber da man ja zu Übertreibungen neigt und von dem Kraut
offenbar begeistert war, wurde daraus dann irgendwann das Tausendgüldenkraut.
Das Tausendgüldenkraut hat natürlich auch eine magische Komponente. Es wurde früher als Schutz vor Dämonen verwendet (Dämonen mögen anscheinend kein Pink) und dafür
über die Tür gehängt. Dazu kamen auch Geldzauber (logisch, bei dem Namen). Die Pflanze wurde an Johanni (24. Juni) gesammelt und in den Geldbeutel gesteckt. Dann sollte das Geld nie ausgehen.
Eine Bestätigung dafür kann ich allerdings nicht bieten ;-) Als Bachblüte "Centaury" soll es unterstützen, wenn man jemandem etwas mitteilen möchte, was man "immer schon mal" sagen wollte
(meist was weniger Erfreuliches), sich aber nicht traut. Das bedeutet nicht, dass man aufgrund der Bitterkeit der Pflanze auf Krawall gebürstet ist, sondern sie soll schüchternen, allzu netten
Menschen Mut machen, für sich einzustehen und sich zu schützen. In diesem Zusammenhang kann sie auch als "Mutpflanze" zur Vorbereitung auf eine Initiation genutzt werden (allein das Trinken des
Tees ist schon eine Mutprobe ;-). Die Pflanze gehört astrologisch zur Sonne und zu Jupiter.
Das Tausendgüldenkraut wird von vielen verschiedenen Insektenarten besucht. Es gilt deutschlandweit als ungefährdet, ist
aber leider in einigen Bundesländern schon auf der Roten Liste. Es ist zudem in Deutschland besonders geschützt. Daher dürfen wild wachsende Exemplare der Pflanze nicht gepflückt, ausgegraben oder sonstwie beeinträchtigt werden. Man kann es bewundern und ein schönes
Foto machen (aber nur, wenn dabei nicht die umgebende Vegetation platt gewalzt wird). Wer das Pflänzchen im Garten haben möchte, bestellt sich am
besten im gut sortierten Kräuterhandel ein paar Samen und zieht es im Topf an einem sonnigen Plätzchen. Dann hat man es gleich griffbereit für Magen und
Moneten ;-)
Such' das Kraut: Das Tausendgüldenkraut kann gut in der umgebenden Vegetation "untertauchen", wie man sieht. Es wird hier begleitet von Wiesen-Klee (Trifolium pratense), Wilder Möhre (Daucus
carota), Spitzwegerich (Plantago lanceolata) sowie verschiedenen Gräsern. Standort ist ein schmaler Grünstreifen am Beginn einer Brücke über die Autobahn.