Diese Art (bzw. Arten) dürfte den meisten zumindest grob bekannt sein: Es geht um die Brombeere (Rubus sect. Rubus). Der ursprüngliche lateinische Name der Art lautete Rubus fruticosus. Da es aber sehr viele Brombeerarten gibt und die einzelnen
Arten schwer auseinanderzuhalten sind, wurden sie zu einer Sektion zusammengefasst: Rubus sect. Rubus oder auch Rubus
fruticosus agg. (vereinfacht: Irgendwas mit Brombeere). Die Bezeichnung Rubus fruticosus findet man vor allem in
Heilpflanzenbüchern, während die moderne Bezeichnung in den Bestimmungsbüchern zu finden ist.
Die Brombeere gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Typisch am Rosengewächs Brombeere ist der Aufbau der
Blüte: Sie hat fünf freistehende Kronblätter in weiß oder zartrosa. Frei bedeutet, dass sie nicht miteinander verwachsen sind. Die fünf grünen Kelchblätter sind ebefalls frei. Geblüht wird von
Mai bis August. Die Blätter der Brombeere sind am Rand gezähnt und unpaarig gefiedert, das heißt, es gibt
Blätter mit drei, fünf oder sieben Fiedern - je zwei seitlich und eins an der Spitze. Die Blätter bleiben bei manchen Exemplaren bis zum Frühjahr an der Pflanze, andere sind im Winter
kahl.
Die Früchte der Brombeere sind keine Beeren, sondern kleine Steinfrüchte, die zu vielen an einem sogenannten Blütenboden sitzen (das ist der kleine Kegel, der übrig
bleibt, wenn man die Brombeere gegessen hat, auch bei Erdbeeren gut zu beobachten). Die Kerne der Brombeerfrüchte haben Steinzellen und werden daher Steine genannt. Wer schon mal schwungvoll auf
einen Kirschkern gebissen hat, der weiß, was Steinzellen bewirken können - zum Glück sind die Steine der Brombeeren deutlich kleiner. Das gesamte Frucht-Gebilde wird als Sammelsteinfrucht
bezeichnet. Die Früchte haben einen hohen Anteil an roten Farbstoffen (Anthocyanen), die antioxidative Wirkung haben. Sie sind zwischen Juli und September reif. Brombeeren verbreiten sich aber nicht nur über ihre Früchte, sondern auch vegetativ, also über Seitensprosse und Ausläufer. Ihre langen Ranken können bei Bodenkontakt Wurzeln
bilden und damit verdammt fest einwurzeln. Diese sogenannten Absenker sind prima Fußangeln und einer der Hauptgründe, warum ich mich im Gelände regelmäßig lang mache.
Ebenso wie Rosen haben Brombeeren Stacheln (keine Dornen!), die zum Klettern genutzt werden. Und sie dienen natürlich auch als Fraßschutz und man kann prima darin
hängen bleiben. Wieso Stacheln und keine Dornen? Man kann ganz einfach testen, was einem gerade die Haut zerkratzt hat: Stacheln lassen sich - wie bei
der Brombeere und der Rose - leicht mit den Fingern abknipsen, bei Dornen geht das deutlich schwerer. Stacheln sind Ausstülpungen der Epidermis und der darunter liegenden Gewebe, sogenannte
subepidermale Emergenzen. Dornen sind in der Regel umgebildete Pflanzenorgane, zum Beispiel Teile der Sprossachse (Kurzsprosse wie bei Schlehe oder Weißdorn) oder umgebildete Blätter (zum
Beispiel bei Kakteen). Dornen weisen zudem das typische Innenleben eines Organs auf, wie etwa Leitbündel für den Wasser- und Assimilattransport. Stacheln sind kreuz und quer am Spross verteilt,
Dornen folgen einer gewissen Ordnung, die für die jeweilige Art typisch ist.
Man findet Brombeeren natürlicherweise an Waldrändern, auf Lichtungen, in Hecken und Gebüschen und in Knicks, aber auch in nicht zu dunklen Wäldern, idealerweise mit
viel Stickstoff und basenreichem Boden. Dazu wachsen sie häufig auf offenen Flächen, die in irgendeiner Weise durch menschliche Aktivitäten gestört sind, etwa auf Brachen und Ruderalflächen, auf
Bauschuttflächen, an Wegen und Bahnlinien. Wenn sie sich wohlfühlen (und sie sind nicht sehr wählerisch), dann machen sie sich auch ordentlich breit. Das hat natürlich nicht nur negative Seiten.
Zunächst einmal hat die Brombeere einen hohen ökologischen Wert (!). Ihr dichtes Gestrüpp bietet Schutz und Versteckmöglichkeiten für Vögel und Kleinsäuger, einschließlich meiner geliebten
Haselmaus. Denn, wie schon oben beschrieben, ein Durchquerungsversuch eines Brombeergestrüpps ist nicht zu empfehlen - also ein optimaler Schutzwall. Dazu bietet sie eine kulinarische
Abwechslung, wenn die Früchte reif sind. Die werden nicht nur von Menschen gerne gegessen, sondern auch von Vögeln, Mäusen, Haselmäusen, Füchsen, Mardern und was sonst noch eine Chance hat, an
sie ran zu kommen. Die Blüten werden von vielen verschiedenen Wildbienenarten angeflogen, ebenso nutzen viele Schmetterlingsarten die Pflanze als Nektarquelle oder Raupenfutter.
Dazu ist die Brombeere eine wertvolle Heilpflanze. Ihre Blätter enthalten viele Gerbstoffe und werden als Heilmittel bei Durchfallerkrankungen oder Entzündungen im
Mundraum genutzt. Man kann die Blätter aber auch einfach so als täglichen Tee trinken. Eine dermaßen wehrhafte Pflanze (Astrologie: Mars) hat natürlich auch eine magische Komponente.
Brombeeren an Haus und Hof dienten als Schutzpflanzen gegen Dämonen, weil dieselbigen und auch sonstige Bösewichte (völlig
überraschend) darin hängen bleiben. Dazu gab es den (nicht sehr netten) Brauch, Eheleute vor der Hochzeit durch ein Brombeergebüsch kriechen zu lassen,
damit es später in der Ehe keinen Streit gibt. Der ultimative Test. Wer die Brombeere überlebt, weiß, was echte Probleme sind ;-)
Die Brombeere im Garten - nein. Es sei denn, du hast a) einen sehr großen Garten, b) ein umfangreiches Sortiment an Gartengeräten einschließlich einer Säge und einer
kräftigen Heckenschere, um das Gestrüpp im Zaum zu halten, c) jede Menge Zeit und d) Nerven wie Drahtseile (und eine sehr robuste Haut). Wer es wagen
möchte: Ein kräftiger Rückschnitt der überalterten Ranken vor dem Austrieb im Frühjahr und eine solide Rhizomsperre für die Ausläufer sind Pflicht. Ansonsten muss spontan reagiert werden, wenn
die Pflanze zu stark wuchert. Die Früchte stehen übrigens an den zweijährigen Trieben. Also aufpassen, dass man die nicht mit wegsäbelt.
Andererseits ist eine Brombeere im Garten aus ökologischer Sicht natürlich eine
gute Tat, ein prima Schutz gegen Eindringlinge (Einbrecher, Dämonen) und im Sommer etwas für Naschkatzen. Wie auch immer - du hast die Wahl ;-)
Gut erkennbar sind die Fiedern der Brombeerblätter, in diesem Falle drei. Weiter oben sind noch geschlossene Blütenknospen zu sehen.
Die Brombeere mit Klettenlabkraut (Galium aparine) und Knäuelgras (Dactylis glomerata) vor Haselsträuchern (Corylus avellana) in einem Knick.