Artenkenntnis to go: Der Wiesen-Bärenklau

Zum Abschluss der kleinen Weißblüher-Trilogie: Hier kommt der Wiesen-Bärenlau (Heracleum sphondylium, nicht zu verwechseln mit dem Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)). Der Wiesen-Bärenklau steht aktuell noch hiern und da in Blüte, vor allem an Straßen- und Wegrändern und auf Wiesen. Er gehört wieder zu den Doldenblütlern (Apiaceae), wie schon die Wilde Möhre (Daucus carota).

 

Wie bei den Doldenblütlern üblich, hat auch der Wiesen-Bärenklau einen schirmartigen Blütenstand. Bei ihm kann man die Doppeldolde im Übrigen sehr gut erkennen, weil die einzelnen Döldchen deutlich voneinander getrennt stehen. Dazu ist der Gesamtblütenstand mit im Schnitt etwa 20 Zentimetern Durchmesser sehr groß. Auffällig sind die kleinen weißen bis weißlich grünen Einzelblüten an den Rändern der Döldchen, die außen oftmals verlängerte Kronblätter haben. Auch die Blätter des Wiesen-Bärenklaus sind sehr auffällig. Sie sind gefiedert, die einzelnen Fiedern weisen tiefe EInschnitte zwischen den Blattadern auf. Schaut man sich das gesamte, ziemlich große Blatt an, erinnert es (mit sehr viel Fantasie) an eine Bärentatze ("Bären-Klau(e)"). Dazu haben die Blätter am Ansatz des Blattstiel eine große, auffällige Blattscheide. Der Stängel ist deutlich gefurcht und innen hohl, die Pflanze kann bis zu 150 Zentimeter groß werden. Die Blütezeit liegt zwischen Juni und Oktober.

 

Der Wiesen-Bärenklau mag es lehmig-feucht und sonnig bis halbschattig und kommt sehr gut mit viel Stickstoff zurecht. Er ist auch alles andere als selten. Allerdings muss man bei ihm etwas aufpassen: Er besitzt in seinem Pflanzensaft bestimmte Stoffe, sogenannte Furocumarine, die die Haut lichtempfindlich machen. Das kann zu der sogenannten "Wiesendermatitis" (auch "Photodermatitis") führen, bei der sich unter Sonneneinstrahlung Blasen auf der Haut bilden, die vorher mit dem Pflanzensaft in Berühung gekommen ist. Der Name kommt daher, dass oftmals Leute davon betroffen sind, die mit kurzen Hosen oder T-Shirts bei vollem Sonnenschein durch eine hohe Wiese gelaufen sind und dabei Pflanzensaft abbekommen haben. Es ist auch nicht nur der Wiesen-Bärenklau dafür bekannt, sondern unter anderem auch der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) und natürlich der Riesen-Bärenklau. Idealerweise sollte man daher nicht bei vollem Sonnenschein mit der Pflanze in Kontakt kommen. Bei der Gartenarbeit schützen Handschuhe sowie lange Klamotten. Falls man doch mal etwas Saft abbekommt, sofort abwaschen und die betroffene Haut bedecken.

 

Wie der Name schon sagt, haben unsere Vorfahren in dieser Pflanze etwas Bedeutsames gesehen, denn der Name enthält wieder einen Bären, wie beim Bärlauch (Allium ursinum), bei der Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) oder anderen "Bärenpflanzen". Der Bär galt unseren Vorfahren als (Heil)Pflanzenkenner, da er im Frühjahr nach dem Winterschlaf zunächst mal frisches Grün zu sich nimmt. Da der Bärenklau Blätter in Form einer Bärentatze hat, war das auch ein Hinweis auf seine Bärenkraft, ebenso wie die feine aber dichte Behaarung. Die ganz jungen Blätter des Bärenklaus können noch als Wildgemüse gegessen werden. Die älteren Pflanzenteile gelten als giftig. Als Heilpflanze wurde er volksmedizinisch bei Husten und Verdauungsproblemen verwendet, außerdem als Stärkungsmittel. Bärenklauwurzel gilt zudem als Talisman, um Macht und Reichtum anzuziehen. Astrologisch gehört er zum Mars.

 

Falls du den Wiesen-Bärenklau sammeln möchtest, sei bitte absolut sicher, dass du die richtige Pflanze erwischst. Es gibt nämlich gerade bei den weißblühenden Doldenblütlern viele ähnlich aussehende Doppelgänger, die stark giftig sind. Im Zweifelsfall frage einen Experten (und nicht irgendeine App) oder lass die Pflanze besser stehen.

 

Der Wiesen-Bärenklau ist eine wichtige Pflanze für Insekten. Auf den Blüten tummeln sich gerne mal verschiedene Käfer, Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und andere Krabbler. Dazu ist er eine gute Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Da er ganz gut mit Halbschatten zurecht kommt, passt er auch in Gärten, die nicht so mit Sonne gesegnet sind. Allerdings neigt er im Gegensatz zu seinem Riesen-Kumpel nicht zur Massenausbreitung.

 

Wenn du dir einen Wiesen-Bärenklau in den Garten holen möchtest, bietest du einen Hingucker und den Insekten eine weitere sinnvolle Pflanze. Und nicht vergessen: Bei "hands on" Handschuhe an! Sicher ist sicher ;-)

Wichtig! Bitte beachten!

 

Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin noch Apothekerin. Die in einigen Artikeln beschriebenen Wirkungen von Pflanzen haben lediglich informativen Charakter und beruhen auf dem Wissen aus meiner akademischen Ausbildung als Botanikerin sowie auf eigenen Erfahrungen. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Es wird ebenso keine Haftung für eventuelle Schäden durch die unsachgemäße Verwendung von Pflanzen und deren Zubereitungen übernommen.

 

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