Artenkenntnis to go: Der Winterling

Diesen Winzling kennt (fast) jeder: Der Winterling (Eranthis hyemalis) ist einer der Frühstarter im Jahr.

 

Sobald der Schnee verschwindet, taucht er im kahlen Garten auf und sorgt zusammen mit dem Schneeglöcken (Galanthus nivalis) für die ersten Farbtupfer. Seine gelben Blüten, die schon ab Januar erscheinen können, zeigen deutlich seine Verwandschaft: Er gehört zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculuaceae). Wem das jetzt nichts sagt, der denke an einen der bekanntesten Vertreter, den Scharfen Hahnenfuß (Ranunculus acris), gerne auch als "Butterblume" bezeichnet, der im Sommer überall auf den Weiden zu finden ist.

 

Allerdings ist die Blüte des Winterlings deutlich größer. Hier haben wir es zudem nicht mit der häufig vorkommenden Aufteilung der Blütenhülle in Kelch und Krone (doppeltes Perianth) zu tun, sondern mit einer einfachen Blütenhülle (einfaches Perianth oder Perigon). Zur Erinnerung: Die Blütenhülle (Perianth) ist der sterile Teil der Blüte, also die meist bunten Kronblätter plus die grünen Kelchblätter.

 

Beim Winterling besteht das Perigon aus sechs bis acht gelben Blütenhüllblättern. Diese werden von drei tief geschlitzten, grünen Hochblättern (dem Involucrum) umgeben, die die Blüte schützen sollen, analog zu den Kelchblättern beim doppelten Perianth. Überhaupt besteht der Winterling gefühlt aus viel Blüte und wenig Restpflanze: Zur Blütezeit sieht man nur eine recht große Blüte auf einem Stängel plus einem grünen Kragen aus Hochblättern. Seine Laubblätter erscheinen erst nach der Blüte, in der Regel je eins pro Blütenstängel. Die Blattspreiten sind rundlich und finger- bzw. fiederspaltig. Unterirdisch besitzt er eine Sprossknolle, in der er Reservestoffe für den nächsten Austrieb speichert.

 

Nach dem Abblühen bilden sich im Inneren der Blüte sogenannte Balgfrüchte, die sich im Frühjahr bei Samenreife öffnen und dann ein wenig wie kleine Wundertüten aussehen. "Schlägt" jetzt ein Regentropfen auf, federt der elastische Stängel zurück und die Samen werden aus dem geöffneten Balg herausgeschleudert. Die Pflanze ist damit ein sogenannter Regenballist. Der kleine Ballermann ist mit seiner Samenschleuderei ziemlich erfolgreich und breitet sich gerne flächig aus, wenn ihm die Umgebung genehm ist. Er mag gerne frische, basenreiche und mäßig nährstoffreiche Lehmböden im Halbschatten. Allerdings braucht er nach der Keimung bis zu fünf Jahre, bis er das erste Mal blüht.

 

Im Laufe des Frühjahrs verschwindet der Winterling komplett von der Bildfläche und taucht erst im nächsten Jahr wieder auf. Pflanzenarten mit dieser Lebensführung werden als Geophyten bezeichnet, weil sie mit ihren Überdauerungsorganen (hier: Sprossknolle) im Boden auf die für sie passenden Jahreszeiten warten. Beim Winterling ist der Spätwinter die Zeit zum Auftauchen und der Sommer die Zeit zum Abtauchen. Klingt komisch, macht aber Sinn, wenn man ein kleines Gewächs ist, das im Sommer von den größeren Brüdern und Schwestern einfach überwuchert werden würde. Im Winter hat er dagegen freie Bahn und auch noch alle zu der Zeit verfügbaren Insekten bei Fuß. Passt :-)

 

Der Winterling stammt ursprünglich aus Süd- und Südosteuropa und wurde etwa im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Mitteleuropa eingeführt, ist also ein Neophyt. In einigen Bereichen ist er verwildert, findet sich aber in der Regel in der Nähe von menschlichen Siedlungen. Er gehört damit zu den Stinsenpflanzen (was das ist, habe ich hier erklärt). Auch heute wird er wegen seiner frühen Blütezeit als Zierpflanze genutzt. Der Winterling besitzt herzwirksame Glykoside, was ihn stark giftig macht, insbesondere die Knolle. Die große Zauberei ist mit ihm auch nicht zu machen, aber er zaubert immerhin ein Lächeln ins Gesicht, wenn er blüht. 

 

Im Garten ist der Winterling eine prime Futterpflanzen für Insekten: Im Inneren der Blüte an der Basis der Blütenhüllblätter befinden sich sogenannte Nektarien, die schon früh im Jahr Futter für Hummeln und weitere Wildbienen sowie Schwebfliegen bieten. Wenn du einen Winterling (einen? ein paar Dutzend und irgendwann noch viele mehr) im Garten haben möchtest, pflanzt du am besten die kleinen Knollen im Herbst - und freust dich auf den Winter :-)

Winterlinge im Garten: Sie sind mit die Ersten, die den Insekten Futter nach dem Winter bieten.

Schnee interessiert die Winterlinge absolut nicht :-)

Wichtig! Bitte beachten!

 

Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin noch Apothekerin. Die in einigen Artikeln beschriebenen Wirkungen von Pflanzen haben lediglich informativen Charakter und beruhen auf dem Wissen aus meiner akademischen Ausbildung als Botanikerin sowie auf eigenen Erfahrungen. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Es wird ebenso keine Haftung für eventuelle Schäden durch die unsachgemäße Verwendung von Pflanzen und deren Zubereitungen übernommen.

 

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